Die Pfadfinderbewegung

Pfadfinder... Wer sind eigentlich diese Pfadfinder?


Wohin unsere Reise geht können auch wir nur schwer beantworten. Aber wir wissen noch genau wo wir hergekommen sind:


Angefangen hat alles vor mehr als einhundert Jahren mit Robert Baden-Powell,

der 1857 (gest.1941) in London geborene Engländer ist der Gründervater aller Pfadfinder.

Nachdem er 1876 als Kavallerieoffizier in die britische Armee eingetreten war diente er an zahlreichen Orten in Indien und Afrika als Soldat.

Schon früh erkannte er die Vorteile von dem was wir heute „Führen durch Vorbild“ nennen. Anstatt seinen jungen Soldaten Befehle zu erteilen, gab er ihnen Tipps und  schaffte es sie zu den Aufgaben zu motivieren. Ebenso ließ er ihnen die Möglichkeit selbst einen Lösungsweg für ein Problem zu finden und schrieb ihnen keinen starren Lösungsweg vor (etwas sehr ungewöhnliches in der damaligen Militärstruktur).

Häufig wurden BiPi (die englischen Initialen von Baden-Powell) und seine Männer für Aufklärungsmissionen oder Pionierdienste ausgewählt. In dieser Zeit reifte bei ihm die Idee der Pfadfinderbewegung.

Nachdem BiPi während des Burenaufstandes in der britischen Kolonie Südafrika 1899 nur durch geschickte angewandte List und Täuschung die Stadt Mafeking gegen eine gewaltige Übermacht verteidigt hatte, wurde er in England zum Nationalhelden und wurde sogar von der Königin zum Generalmajor befördert. Nach seiner Rückkehr in die Heimat stellte er fest das zahlreiche Jugendliche sein Buch „Aids to Scouting“ (Kundschaftlerhilfen) gekauft hatten.

 

Danach begann BiPi ernsthaft über das Thema Jugendarbeit nachzudenken und bereits 1907 fand das erste offizielle Pfadfinderlager mit 21 Jungen aus allen sozialen Schichten (wiederum eine absolute Neuheit) auf Brownsea Island, in der nähe der Stadt Poole, statt. Neben Dingen wie Feuer machen, der Umgang mit Karte und Kompass und der Ernährung in der Wildnis, standen auch Fährtenlesen und die Errichtung eines Unterschlupfs auf dem Plan.

Das Lager wurde ein voller Erfolg und als Antwort darauf gründeten sich in ganz England neue Pfadfindergruppen um sich in den pfadfinderischen Fertigkeiten zu üben.

Neben dem Leben in der Natur war ein weiterer Punkt der BiPi am Herzen lag jedoch auch die Erziehung und Selbsterziehung der ihm anvertrauten Jugendlichen. Selbständigkeit  und Ordnung sollten sie lernen und das viele Spielen in den niedrigeren Altersgruppen zielte darauf ab die Kinder körperlich wie geistig zu ertüchtigen und zu eigenständigem Denken zu animieren.

Als Hilfestellung dazu schrieb BiPi die Pfadfindergesetze, denen jeder Pfadfinder verpflichtet ist:

 

1. Auf die Ehre eines Pfadfinders ist Verlass.

2. Der Pfadfinder ist treu.

3. Der Pfadfinder ist hilfsbereit.

4. Der Pfadfinder ist Freund aller Menschen und Bruder aller Pfadfinder.

5. Pfadfinder ist höflich und ritterlich.

6. Der Pfadfinder schützt Pflanzen und Tiere.

7. Der Pfadfinder ist gehorsam.

8. Der Pfadfinder lacht und pfeift in allen Lebenslagen.

9. Der Pfadfinder ist fleißig und sparsam.

10. Der Pfadfinder ist rein in Gedanken, Wort und Tat.

 

In Deutschland wurde die erste Pfadfindergruppe am 18.Januar 1911 in Berlin von Maximilian Bayer gegründet  in Form des ersten Deutschen Pfadfinderbundes.

 

Nachdem in den Jahren zuvor immer mehr englische Mädchen den Pfadfindern beigetreten waren bat Robert Baden-Powell 1914 seine Schwester darum sich um die neu gegründeten „Girl Guides“- die Vereinigung der Pfadfinderinnen, zu kümmern. Dies Tat sie auch bis 1917, als sie das Amt der Vorsitzenden an BiPi`s Ehefrau Olave Baden-Powell übergab.

 

Über die Jahre hinweg haben sich die Pfadfinder in aller Welt verbreitet und haben etwa 38 Millionen Mitglieder.  Zurzeit gibt es lediglich 5 Länder in denen noch keine Pfadfinder existieren.

 

Abschließend kann man wohl sagen dass, das Pfadfindertum jungen Menschen ermöglicht das eigene Leben zu entdecken und selbst zu gestalten. Durch praktisches Tun und reflektierte Erlebnisse werden die Fähigkeiten und die Persönlichkeit eines jeden einzelnen angesprochen und weiterentwickelt. Pfadfinder sein heißt offen für neues zu sein, sich auf Abenteuer einzulassen und sich für Menschlichkeit und Frieden zu engagieren.

 

Die DPSG

 

Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg – der unser Stamm angehört - gründete sich am 7. Oktober 1929 in Altenberg durch die Vereinigung mehrerer zuvor eigenständiger Verbände.

 

Seit dem ist die DPSG der größte deutsche Pfadfinderverband und zählt zu Zeit etwa    100 000 Mitglieder. Neben einer engen Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche arbeitet der Verband aber auch mit verschiedenen anderen karitativen Organisationen zusammen. Jedes Jahr unterstützt die DPSG dabei mit ihrer Aktion „Flinke Hände, Flinke Füße“ ein Projekt mit dem Ziel Menschen in Not oder Armut zu helfen. Hier werden auch bereits die jüngsten Mitglieder mit eingebunden.

Aber auch die pfadfinderischen Ziele sind bei der DPSG keineswegs in Vergessenheit geraten sondern werden noch gelebt und nach wie vor ist es Ziel der Pfadfinderbewegung junge Menschen zu selbstständigem Denken, Selbständigkeit und Naturverbundenheit zu erziehen. Dies aber auf eine Weise bei denen die Kinder und Jugendlichen nicht nur etwas lernen, sondern die ihnen auch Spaß bringt.


Neben unserem eigenen Verband gibt es aber noch mehrere andere Pfadfinderverbände in Deutschland. Die beiden nächst kleineren sind der VCP (Verband christlicher Pfadfinder) sowie der BDP (Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder). Darüber hinaus bestehen noch zahlreiche kleinere Verbände, Bünde und Gemeinschaften so das die Anzahl der Pfadfinder deutschlandweit auf etwa 200 000 zu schätzen ist. Zwischen den verschiedenen Verbänden besteht allenfalls eine spaßige, freundschaftliche Rivalität.Doch alle Pfadfinder werden wiederum geeint durch ihren gemeinsamen Ursprung und arbeiten oft Hand in Hand miteinander, sowohl über Verbandsgrenzen als auch Landesgrenzen hinweg.

Warum Pfadfinder sein?


„Pfadfinder? Das sind doch diese Verrückten Paramilitärs in kurzen Lederhosen die den halben Tag lang nur im Wald herumrennen oder Alten Frauen über die Straße helfen (ob gewollt oder nicht) und die andere Tageshälfte damit verbringen Kumba`ya zu singen, für den Weltfrieden zu beten und natürlich Kekse zu verkaufen.“

So oder so ähnlich hört man oft Klischees über das Thema Pfadfinder. Seit mehr als sechzehn Jahren bin ich jetzt Pfadfinder und ich könnte mit diesen Sprüchen wohl ein Buch füllen. Mindestens! Dabei war wohl nicht ein einziger der Gesellen, von denen diese Vorurteile stammen, je einer von uns!

Der Grund warum ich Pfadfinder geworden bin ist simpel. Ich habe mich schon immer für die Natur interessiert und vor allem natürlich für alles was unter den Begriff „Survival“ fällt.

Das hat mich gereizt und nachdem ich von den Pfadfindern gehört hatte beschloss ich es mal zu versuchen. Damals war ich 13 und kannte die meisten Klischees (vielleicht zum Glück) noch nicht, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen dass keins davon der Wahrheit entspricht. Außer vielleicht das wir gelegentlich mal kurze Hosen tragen...

 

Das war der Grund warum bei den Pfadfindern eingestiegen bin. Ein sehr wichtiger Grund warum ich geblieben bin ist die Gemeinschaft an sich, der Zusammenhalt. Mit anderen Leuten durch gute und schlechte Jahre zu gehen und echte Freunde zu finden auf die man sich verlassen kann, denen man vertraut und für die man auch selbst immer das ist, ist etwas dass man nicht hoch genug bewerten kann.

Aber nicht nur im eigenen Stamm. Wer jemals bei einem Projekt mit einer großen Anzahl von fremden Menschen zusammengearbeitet hat und erlebt hat wie man selbst einfach akzeptiert wird so wie man ist; oder den Vertrauensvorschuss kennengelernt hat den man, ohne etwas dafür zu tun, von diesen  Menschen entgegengebracht bekommt, einfach nur aufgrund der Tatsache dass man Pfadfinder ist, der wird wohl nie wieder daran zweifeln das es die richtige Entscheidung war Pfadfinder zu werden.

Ich denke das ist in der heutigen Zeit etwas sehr seltenes und es ist mithin ein Hauptgrund dafür, dass ich trotz schwieriger Zeiten immer noch Pfadfinder bin und das nie bereut habe. Abgesehen davon habe ich bei den Pfadfindern viel nützliches für mein ganzes Leben gelernt und so unfassbar viele schöne Augenblicke erlebt, dass ich auch damit vermutlich mehrere Bücher füllen könnte. Diese Erinnerungen werde ich auf für den Rest meines Lebens nicht vergessen.

Ich hoffe das beantwortet die Frage „Warum Pfadfinder sein?“.


Ein Leiter

Erstellt von Ramona Gebhardt/Martin Kropp